Haben Sie heute schon ihr Kind gelobt?

„Haben Sie heute schon ihr Kind gelobt?“, so lautete eine Kampagne des Kinderschutzbundes in den 1980 Jahren. Die Frage schmückte als Autoaufkleber die Heckscheibe. Die Kampagne wollte das Mitgefühl von Eltern für ihre Kinder stärken. Seit dem sind viele Jahre vergangen und viele Ratgeber für Eltern füllen die Buchläden zum Thema “ Lob und Tadel“. Wir alle sind für Kinder. Das Internet ist voll mit unzähligen Angeboten, nie gab es so viele Helfer und niemand ist mit schlechten Absichten unterwegs. Experten wie u.a. Jesper Juul und Emmi Pikler bestimmen die Themen. Eltern wollen das Beste für ihre Kinder, wollen dass es ihren Kindern einmal besser gehen möge als ihnen selbst. Der Blick auf die eigenen Erziehungsmaxime wird von den Erfahrungen mit den eigenen Eltern bestimmt.

Die überwiegende Mehrheit der Kinder erleben ihre Eltern als zu streng und häufig als ungerecht. Eltern selbst meinen sie seien oft zu nachgiebig und es fehle ihnen an der nötigen Konsequenz. Eltern wollen fördern und fordern, stärken und unterstützen. Vielleicht sind Sie mit dem Grundsatz aufgewachsen „nicht gemeckert ist genug gelobt“? Die einen sagen, unsichere Eltern brauchen Ratgeber und sichere nicht. Gründe für die Verunsicherung sind die vielfältigen Anforderungen an unsere Kinder. Die Kinderwelten haben sich verändert, was sich einst auf 2-5 km² abspielte, ereignet sich heute im globalen Kontext. Ob in der Summe die Anforderungen an die Kleine die gleichen geblieben sind und sich nur die Inhalte geändert haben ist ein weites Feld.

Der Tenor der meisten Ratgeber spannt einen Bogen von „Kinder brauchen Grenzen“ bis hin „Kinder sind ihres eigenen Glückes Schmied“. Viele Fragen, viele Experten. Die Entdeckung der Kindheit zieht einen Kondensstreifen an Helfern nach sich. Wer ist hier bedürftig? Was brauchen die Eltern, was die Kinder? Sind Rezepturen wie: 5 Sätze die jede Mutter/ jeder Vater zu seinem Kind sagen sollte, wirklich hilfreich oder nur einfach ein guter Werbetrick? Weil so einfach und eingängig? Mit Kindern leben heißt dicke Bretter bohren, geduldig sein und was noch…..? Schon in den 1920 Jahren gab es Mütterschulen, heute sind es Elternschulen die mit Seminaren für Eltern aufwarten. Eltern und Kinder zwischen Therapie und Coaching. Kommunikation ist alles. Was sind die kurz-, mittel- und langfristigen Effekte? Erziehen heißt Erfahrungen machen und mit den unterschiedlichen Ergebnissen lernen umzugehen. Das Wie entscheidet und nicht das Was!

»Eltern wissen oft nicht mehr, wie sie sich adäquat verhalten sollen. Stellen sie die Schule in den Vordergrund, leidet die Beziehung zu ihren Kindern. Kümmern sie sich nur um die Beziehung, kommt die Schule zu kurz.«

Was ist mein Erziehungsstil, was ist mein Selbstverständnis als Mutter und Vater, was habe ich selbst für Bedürfnisse, wie will ich meinem Kind begegnen? Antwort die vielleicht in Ratgebern zu finden sind. Antworten die jedes Elternteil selbst herausfinden wird. Kinder fragen nach Antworten.

Hilfreich ist auch ein Blick zurück in die eigene Kindheit, wie habe ich das erlebt, als ich 7, 10 oder 14 Jahre alt war? Woran erinnere ich mich, was hat mir geholfen und was hat mich verschreckt?

Fünf Sätze: Was fällt Ihnen dazu ein?

  1. Ich Liebe dich.
  2. Ich bin stolz auf dich.
  3. Erzähl mir davon.
  4. Lass dir von niemanden einreden, das kannst du nicht.
  5. Frag mich, wenn ich dir helfen soll!