Versuchen Sie es, mit einer Frage! – Wieso, Weshalb und Warum

Eine kleine Anekdote, wie sie Land auf und Land ab, überall spielen kann.
(Die Szene, Mutter und Tochter, vor der Anrichte, in der Küche.) 

Die kleine Lotte beobachtete ihre Mutter beim Kochen. Die Mutter wollte eine Wurst zubereiten und schnitt mit viel Schwung und Kraft links und rechts die beiden Enden ab. Dann legte sie die Wurst in die Pfanne und grillte sie, bis sie saftig braun war. Lotte fragte ihre Mutter, warum sie bei der Wurst die Enden abschneidet. Die Mutter meinte, dass man das eben so macht. Das hätte sie von ihrer Mutter so gelernt und das macht man eben schon immer so, weil es richtig ist. Die Mutter sagte dann zu Lotte, dass sie ja mal ihre Großmutter fragen könne. Von der Großmutter erhält sie die gleiche Antwort: “Das machen wir schon immer so, weil es so einfach richtig ist. Wir haben es noch nie anders gemacht – so hat es mir schon meine Mutter, also deine Urgroßmutter beigebracht”. Lotte besucht daraufhin ihre Urgroßmutter und fragt sie, warum man bei einer Wurst die Enden abschneiden muss. Die Urgroßmutter fragt zurück: “Wie jetzt??? Ihr habt immer noch keine größere Pfanne ??”

Eltern erinnern sich an die Zeit, als der Nachwuchs Löcher in den Bauch fragte. Kinder tun das, lange bevor sie in die Schule kommen. Es ist Ausdruck ihrer Neugierde, dieses scheinbar unstillbaren Hungers nach dem Was, Wer, Wo, Wann, Wieso, Weshalb und Warum. Kinder können einen regelrecht löchern und dass, während sie selbst noch, nach dem Aufstehen dem letzten Traumbild nachspüren. Fragen über Fragen, Kinder sind eine einzige Suchbewegung, wer fragt der sucht, wer nicht fragt, der sucht auch nicht.

Fragen die einem verblüffen, warum ist der Himmel blau, wenn des All schwarz ist; warum sind Auto einfarbig, warum sprechen Menschen andere Sprachen; was ist, wenn wir Tod sind, wo sind wir dann usw. Für viele Fragen gibt es einfache Antworten, aber nicht für alle.

Manche dieser Fragekaskaden nerven, weil sie nicht enden wollen und man ja nicht Brockhaus bzw. Google heißt und selber zugeben will, die Antwort nicht zu kennen. Es kann nerven, auch deshalb, weil dann die Frage kommt „und wieso weißt du das nicht?“ – man selbst denkt, „Hört das denn niemals auf?“

Irgendwann, zwischen dem 8. und 12 Lebensjahr, sind wir es, die den Kindern mit Kaskaden von Fragen begegnen, was wo geblieben ist und wieso, weshalb und warum, sie dies oder das getan oder nicht getan haben. In vielen Fällen beantworten die Kinder das mit Augenrollen und Achselzucken und dem Satz: „was weiß ich viel!“.

Ein Unterton der Unlust schwingt mit, „bitte nerv nicht, ich bin beschäftigt“. Spätestens jetzt ist Humor gefragt. „Ja, du weißt viel, deshalb frag ich dich ja auch!“ Den Satz mit Regelmäßigkeit wiederholt wirkt wunder, die Augen strahlen, weil die anfängliche Ungläubigkeit in Sehnsucht nach Anerkennung wechselt, „meinst du wirklich, dass ich viel weiß?“ „Ja, deshalb frag ich dich ja!“ Kinder wollen groß werden in jedem Alter und solang sie das wollen sind sie noch Kinder. Großwerden kann ihnen gar nicht schnell genug gehen, um auf gleicher Stufe mit ihren Eltern zu stehen. Es geht nicht nur darum, an den Lichtschalter zu kommen, sondern auf gleicher Augenhöhe mit den Eltern zu kommunizieren – das oben und unten auf zu lösen. Solche Beobachtungen und Erfahrungen kennen wir alle.

Kinder können, mit dem „ewigen“ Fragen nerven und irgendwann kommt dann der Satz, „weil das eben so ist“ und noch schlimmer „frag nicht so dumm“. Spätestens jetzt reißt der Faden und das Fragen verstummt. Stumm ist es auch in den Klassenzimmern und Hörsälen, selten hört man hier noch die Fragen nach dem Wieso, Weshalb und Warum.

In Habachtstellung sind die Lernenden, sie werden gefragte, sie fragen nicht, sie antworten, sie suchen keine Antworten mehr.

Was erwarten wir, wenn wir Kindern blöd kommen, wenn ihr Fragen nach dem Warum mit – „weil die Banane krumm ist“ beantworten. Kinder beobachten und machen sich daraus ihren Reim darauf, wie die Welt funktioniert und was sie zusammenhält. Aus ihren Erfahrungen speist sich die Lust nach zu fragen, Hintergründe zu erfragen, wenn es ihnen verübelt wird, verlieren sie auch den Appetit darauf.

Welche Eltern fragen ihre Kinder schon nach dem Schulbesuch: “Und, was für eine Frage hast du heute im Unterricht gestellt? Du wirst doch mindestens eine Frage gestellt haben – Gab es wirklich nichts zu fragen?”  Zum Fragen ermuntern kann ein guter Anfang aller Kommunikation sein – Wie soll Aufklärung gelingen, wenn wir aufhören nach Antworten zu suchen, wenn wir verlernt haben, nach dem Wieso, Weshalb und Warum zu fragen?

Ein kleiner Tipp, mehr nach dem “Wieso” statt  nach dem “Warum” fragen, ihr werdet euch wundern, was hier alles zuhören bekommt, denn sie wissen mehr, als du denkst, weil sie mehr können, als sie selber meinen!

Wer aufgehört hat Fragen zu stellen,
stellt sich auch selbst keine Frage mehr.
Versuchen sie es mal, mit einer Frage.

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