Talent entscheidet

Was wir dringend brauchen, ist der Mensch,
der uns zwingt, das zu tun, was wir können“
Ralph Waldo Emerson

Wer ist Ralph Waldo Emerson, ein amerikanische Philosoph der vor über 150 Jahren gelebt hat (Wikip.). Hat er Recht, mit dem was er sagt?

Das Wichtigste steht im Deutschen, in der Regel, am Ende des Satzes, so hören wir von Sprachexperten, und das ist es, was vielen nicht Muttersprachlern am Deutsch nicht gefällt, es dauert solange, bis wir zum Verb vorstoßen, das uns erklärt, was eigentlich gemeint ist.

Es dauert oft lange, bis wir herausfinden, was wir können, oft ist es dem Einzelnen gar nicht klar und dann sagt er, das kann ich nicht, wenn er sagen will, das weiß ich nicht. Hier wird also das Können mit Wissen Gleichgesetz, aber ist das denn auch das Gleiche? Wenn wir von Können sprechen, sprechen wir nicht vom Wissen das einer hat, sondern von seinem Talent. Dem Talent zum Musizieren, zum Verkaufen, zum Reden, zum Schreiben usw.

Talent, das ist Können, was wir nicht durch Erlernen gewinnen, das liegt in unserer Natur, wir können nicht sagen, wir schalten unser Talent ab oder an. Wir können es vernachlässigen, aber wer Talent hat zu tanzen, der tanzt. Die Auseinandersetzung mit der Welt weckt unser Talent, von Beginn an und je mehr wir geweckt werden, desto mehr können wir unser Talent entfalten und ausentwickeln. Wir können daran feilen und modellieren, aber das Gefühl, das damit verbunden ist, steckt in uns, ist mit unserer Person untrennbar verwoben. Ist immer präsent, ist quasi der Treiber, dem wir uns nicht entziehen können. Wir sprechen dann auch vom Gefühl für die Musik, für die Bewegung, für die Sprache, für den Verkauf und wenn wir unserem Talent keinen freien Lauf mehr lassen dürfen, dann sind wir unglücklich! Ich nenne es den „Ich-will-Zwang“.

Wer Personal sucht, kann einen Experten fragen, ob er bei der Suche hilft, kann Bewerber Fragen stellen, sie testen und sich auf die Tests verlassen. „Assessmentcenter finden Leute die Talent haben für Assessmentcenter“.

Wenn wir uns Fremden vorstellen, dann beginnen wir den Satz mit, „ich bin…“ oder “ mein Name ist..“, oder wir hören “ ich bin, was ich kann“ … ein Läufer, ein Kletterer, ein Zeichner, ein Schauspieler, ein Tänzer , ein Richter, ein Arzt, weil wir laufen, klettern, zeichnen, richten und verarzten können. Wenn ich gerne schnell laufe, dann liegt die Betonung auf gerne, um zu beschreiben, mit welchem Gefühl das Können einher geht, eben mit einem guten Gefühl, mit Freude, mit Glück.

Was bringen also Bewerberauswahlverfahren, was haben sie für einen Sinn? Wie finde ich den Beruf der zu mir passt?

Bewerberauswahlverfahren helfen primär eigentlich nur demjenigen der die Auswahl treffen muss, seine Entscheidung, für die Auswahl eines Bewerber, zu rechtfertigen und robust zu machen. Er ist ja auch für diesen Job eingestellt, weil er darin Talent hat auszuwählen und mit Kriterien zu jonglieren. Aber ist es das, was am Arbeitsplatz in der Produktion oder im Backoffice gefragt ist? Wenn bei der Stellenausschreibung nicht gesagt wird, was für ein Talent einer mitbringen muss, wird man schwer den richtigen Mitarbeiter finden. Talente finden Talente. Musiker erkennen Musiker. Verkäufer erkennen Verkäufer usw. Wer würde dem wiedersprechen?

Einem Talent kann man nichts vormachen. Wer eine gute Krankenschwester sein will, muss ein Gefühl fürs Pflegen und Helfen haben. Wissen allein wird dem Pfleger wenig helfen, das Richtig, im richtigen Augenblick zu tun, anders gesagt, das Gefühl wieder erkennen, das jetzt gebraucht wird. Talente erkennen Talente!

Bewerberverfahren, die nicht nach dem Talenten fragen, sind sinnlos. Wenn wir einen Mitarbeiter suchen, dann müssen wir wissen, welches Talent für die Aufgabe gefragt ist, mit welchem Talent diese Aufgabe am besten zu bewerkstelligen ist. Ein Karikaturist muss ein Gefühl für die Karikatur haben, ein Buchhalter ein Gefühl für Zahlen und ein Chef ein Gefühl für Führung. Also, geht es bei der Suche nach dem passenden Mitarbeiter um mehr, um das passenden Gefühl für den Job. Fachkompetenz, die einer erworben hat, sein Wissen sind das eine und machen nur Sinn, wenn es das Talent desjenigen entfaltet, ihn zwingt das zu tun was er, aus dem Bauch heraus, am besten kann.

Eine erfolgreiche Personalführung sorgt dafür, dass Mitarbeit den Raum bekommen, das zu tun, was sie können, sie zwingt den Mitarbeiter dazu, mit seinem Talent die Aufgabe zu erledigen. Wer so arbeiten kann, der hat Lust auf sein Tun, weil sein Gefühl angesprochen wird und weil er sich dann wohl fühlt. Das Gefühl entscheidet!

Wie bringe ich mein Produkt an den Mann? Ich muss wissen, mit welchem Gefühl ich mein Produkt verbinden kann und aus welchem Gefühl heraus mein Kunde das Produkt schätzt.

Autos verkaufen sich nur so gut, weil sie ein Gefühl ansprechen, das Gefühl der Bewegung, auch wenn wir uns selbst gar nicht dabei aktiv bewegen, aber das Autofahren generiert das passende Gefühl, solange wir nicht im Stau stehen und gezwungen sind uns nicht zu bewegen. Was dann für Gefühle aufkommen, kennt jeder. Ungeduld dominiert unser Empfinden, wann geht es endlich weiter. Statt dem feinen Gefühl, fühlen wir uns eingeschränkt, je länger wir still stehen, desto unwohler fühlen wir uns.

Die Anziehungskraft des Telefon ist nur deshalb so groß, weil wir damit ein Gefühl generieren können, uns angesprochen zu fühlen, weil wir gerne sprechen. Auf italienischen Straßen kann man Italienerinnen sehen, die mit zwei Handys gleichzeitig unterwegs sind.

Das Risiko ist hoch, den unpassenden Mitarbeiter ausgesucht zu haben, am falschen Platz zu arbeiten, wenn wir nicht nach dem Talent fragen und suchen. Dieses Suchen und Finden, sollten wir denen überlassen, die das gleiche Gefühl teilen und kennen. Für eine Band suchen Musiker den Musiker. So sollte es auch bei der Berufswahl und bei der Stellenbesetzung sein, weil das Gefühl entscheidet.

Mein Talent belügt mich nicht, es ist untrüglich. Es kostümiert sich nicht, es ist da, wenn ich es brauche, selbst wenn ich nackt bin. Finde dein Talent, Talente überzeugen, weil das Gefühl entscheidet.

(ursprünglich veröffentlicht auf opperman-consulting .com